Interim Manager | Blog

Zwingen uns die aktuellen Compliance-Regeln zu schlechtem Benehmen?

Konfuzius sagt: „Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht.“ Unlautere Absprachen oder Schmiergeldzahlungen sind nichts Neues. Seit eh und je verschaffen sich Menschen Vorteile. Berühmte Beispiele gibt es genug: In der Bibel ist die Rede von Jakob, der sich mit List und Linsen von seinem Bruder Esau das „Erstgeborenenrecht“ erkauft. 2000 Jahre später ziehen die Vergehen größere Kreise –das Grundprinzip bleibt gleich. Jetzt dreht es sich um Gratisflüge, EM-Tickets oder Lustreisen. Bestechung scheint latent und allgegenwärtig zu sein.

Am 25. April 2012 sprach Interim Manager Klaus Peters auf der Hannover Messe. Den vollständigen Vortrag "Der positive Einfluss von Wirtschaftskontakten mit politischen Systemen wie dem in China" können Sie hier verfolgen.

Es sei mir gestattet, den Aspekt der Loyalität genauer unter die Lupe zu nehmen. Warum? Weil diese Tugend exemplarisch in den Ruf nach Werten hineinpasst. Weil diese Begrifflichkeit geradezu inflationär gebraucht wird. Weil diese Eigenschaft zum Ehrenkodex eines Interims Managers gehört.

Klaus Peters hält einen Vortrag mit dem Thema: "Der positive Einfluss von Wirtschaftskontakten mit politischen Systemen wie dem in China"

Manchmal stimmen althergebrachte Weisheiten ja doch: Früher war alles besser! Oder zumindest einfacher. Nämlich die Loyalität der Mitarbeiter zu „ihrem" Unternehmen. Treue hieß das damals, und die galt meist ein ganzes Arbeitsleben lang. Was der Vorgesetzte sagte, war richtig. Und die Firma hatte immer recht. So weit, so einfach, so lange her.

Moral in der Wirtschaft: Gibt es die? Oder treffen moralische Maßstäbe hier nicht auf unversöhnliche Gegner – Wettbewerb und Gewinnstreben, ja den Kapitalismus als solchem? „Erst kommt das Fressen, dann die Moral", dichtete bereits Bertold Brecht. Und hatte damit natürlich recht. Denn moralisch kann die Wirtschaft nicht sein, wenn moralisch gleichbedeutend mit selbstlos und uneigennützig sein soll. Dann wäre jedes Streben nach Gewinn unmoralisch. Und wir hätten entweder keinen Wohlstand – oder keine Moral.

Pünktlichkeit ist der Lackmustest für Zuverlässigkeit eines Menschen. Daran messen wir uns, schließlich gilt es eine der Sekundärtugenden zu verteidigen. Oder zu bewahren? Kommt pünktliches Erscheinen aus der Mode? Allen Anschein nach schon. Feste Vereinbarungen sind ein Relikt aus früheren Tagen. In Zeiten von E-Mail, SMS, Facebook und Co. kann man nach Lust und Laune den Kurs korrigieren. Absagen oder spontanes Erscheinen werden mittlerweile einkalkuliert. Zuspätkommen ist im Privaten (fast) legitim, das akademische Viertel im Arbeitsleben an der Tagesordnung. Greift eine Marotte um sich?

Die gute Nachricht zuerst: Projektarbeit hat sich im Tagesgeschäft von Unternehmen etabliert. Nur scheint das Instrument nicht praxistauglich zu sein. Studien belegen, dass mehr als zwei Drittel aller Projekte stagnieren oder völlig Schiffbruch erleiden. Konkrete Zahlen, wie viele Euro jährlich dadurch versanden, sind nicht bekannt. Kein Wunder, dass sich Skepsis bei Führungskräften und Mitarbeitern breit macht. Warum erreichen bloß etwa 20% aller Projekte das gewünschte Ziel? Die Antwort ist recht simpel, wird aber prinzipiell verharmlost.

Nach der Krise ist vor der Krise: Auf sieben fette Jahre folgen meist sieben magere. Schon in der Bibel ist vom Sparen die Rede. Trotzdem hat es den Anschein, das Kostensenkungsmaßnahmen nur im Ernstfall angewandt werden. Oder agieren Unternehmen – ganz aktuell „der" Drogeriediscounter - in einem dermaßen straffen Kostenkorsett, um dann manövrierunfähig zu werden? 
Wenn die Wirtschaft boomt und die Auftragsbücher voll sind, ist eitel Sonnenschein. Ziehen dann Unwetter am Konjunkturhimmel auf, wird es für das Management ernst. Man rettet, was zu retten ist – meist nach dem Rasenmäherprinzip. Dieses populäre Instrument kürzt schnell, präzise und linientreu sämtliche Etats. Mit fatalen Folgen.

Gier. Maßlosigkeit. Habsucht. Begierde. Verlangen. Leidenschaft. Lust. Sehnsucht? Die Facetten von Gier sind vielfältig und wie immer kommt es auf die Sichtweise an. Gier wird dann zum Thema, wenn die Moral außen vor bleibt und die Grenzen unseres christlich-humanistischen Weltbildes überschritten wurden. Dabei scheint uns Menschen die Habgier in den Genen zu liegen. Wohl keinem ist das Bedürfnis „mehr haben zu wollen“ fremd. Gier muss daher etwas genauer betrachtet werden.

Zahlen lügen nicht. Was sich nicht in Daten und Fakten erheben lässt, zählt auch nicht am Markt. Hinter dem Kürzel EBIT versteckt sich eine wesentliche Kenngröße (Earning before Interests and Taxes, also Ergebnis vor Steuern), die die wahre Leistungsfähigkeit von Firmen belegt. Sie zeigt, wo das Unternehmen jetzt und hier innerhalb seiner Branche steht. Eingereiht in die „Hard Facts" vermag die EBIT-Marge Auskunft zu geben, wie erfolgreich das Unternehmen im Großen und Ganzen arbeitet. Doch sie sagt nichts über die Unternehmensführung, die Wertekultur aus.

"Einkauf: Rund um den Kirchturm"?

Diese Frage stellte die Wirtschaftswoche schon 2003 im Hinblick auf eine Studie der Universität Köln und der Unternehmensberatung Masai. Danach ergeben sich erhebliche Unterschiede, je nach Standort der betrachteten Unternehmen. In Frankreich waren es ca. 25%, in Spanien ca. 33% der untersuchten Unternehmen, die einen Großteil ihres Bedarfs jenseits der Landesgrenzen deckten. In Deutschland waren es zu dieser Zeit magere zwei Prozent der Unternehmen, die mehr als 75% ihres Einkaufs im Ausland tätigten.

Nur was sich rechnet ist gut.

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