Die Angst des Topmanagements

Ein Nachdenken über Imageverlust. Ein Abstract über Verantwortung und Macht. Ein Auseinandersetzen mit der Realität.

Stress ist gesellschaftsfähig, Angst hingegen tabu.

In Führungspositionen hat Angst keine Legitimation. Wer dort unsicher wirkt, bewegt sich auf dünnem Eis. Denn Angst steht für Schwäche, Unvermögen, Ohnmacht, Zweifel oder Wankelmut. Solch ein Grundgefühl passt nicht zum öffentlichen Bild der Vordenker und Leader. Oder etwa doch?

Ist Angst ein treuer Begleiter des deutschen Unternehmertums? Dr. Gabi Harding, Diplom-Psychologin und Stressbewältigungscoach, hat im Rahmen ihrer Dissertation eine empirische Studie vorgelegt, die irritiert, aufrüttelt und den Istzustand abbildet. Für die Untersuchung hat sie 18 deutsche Manager, Geschäftsführer und Vorstände befragt. Diese Interviews flossen in ihre Arbeit ein; der Tenor ist bedenklich. „In Machtpositionen hat man keine Angst – man hat auch keine Angst zu haben. Und wenn man sie hat, spricht man nicht darüber.“, fasst Harding zusammen. (1)

Was ist passiert?

„Dieser stämmige Faust ist unser Zeitgenosse – unstet und rastlos, infiziert vom Fortschrittswahn. Ein Global Player, der keine Grenzen kennt. Und am Ende keine Skrupel mehr. Ein omnipotenter Macher, der bis zum Zusammenbruch mithält in Zeiten rasender Beschleunigung.“ (2) Das Tempo in der Wirtschaft ist rapide - struktureller Wandel und personelle Veränderungen gehören zum Tagesgeschäft. Es scheint, als gäbe es weder Limit noch Bedenkzeit. Be- und Entschlüsse werden ad hoc getroffen. Solche Rasanz bringt Unsicherheit. Das beobachtet Dr. Winfried Panse, Professor für BWL und Personalwesen (FH Köln): „Immer mehr Manager delegieren aus Angst vor Entscheidungen die Verantwortung an externe Berater.“ (3)


Sobald unternehmerisches Scheitern publik wird, ist die öffentliche Aufmerksamkeit garantiert. Menschliches Versagen wird medial auf dem Silbertablett präsentiert. Das Image ist ramponiert. Die Persönlichkeit dahinter ist angeschlagen, blockiert und noch ängstlicher. Bekanntermaßen kommt Angst selten allein. Sie hat einen blinden Passagier im Gepäck: die Angst vor der Angst.

Angst ist kein schlechter Berater

Angst ist unsere innere Alarmanlage. Sie lenkt den Fokus auf das Wesentliche – auf das Selbst. Zwischen Meetings, Telefonkonferenzen etc. gehen die ersten leisen Warnhinweise unter. Erst wenn das Herz rast, Panik die Kehle abschnürt, der Magen rebelliert oder der Kreislauf versagt, wird den Symptomen der Angst Beachtung geschenkt. Zur Sprache kommt die Krise in den meisten Fällen nicht. Falls doch, dann nur in den eigenen vier Wänden. Harding stellte fest, dass einige der Befragten ihre Frau ins Vertrauen zogen oder die Hände zum Gebet falteten. „Gott ist als Gesprächspartner immer greifbar und erzählt nichts weiter.“ Sie empfiehlt, eine Strategie gegen die Angst zu erarbeiten und einen Gegenpol zu schaffen. Ein Coach könne dies. Neutral, aufrichtend und wegweisend.

Quellen:
1 https://www.fernuni-hagen.de/universitaet/aktuelles/2012/04/02-am-managerangst.shtml
2 http://www.marler-zeitung.de/freizeit/kultur/Goethes-Tragoedie-im-Grillo-Theater-Zeitgenosse-Faust-rasend-beschleunigt;art1258,967247
3 http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/panikattacken-wenn-manager-angst-haben/2729774.html

Nur was sich rechnet ist gut.

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